Andrea Spycher hat anlässlich der öffentlichen Sitzung des Stadtparlaments Bülach vom 23. Februar wie folgt zum Bericht der Geschäftsprüngskomission (GPK) zum Thema ARA-Sauna Stellung genommen.
Sehr geehrter Präsident, geschätzte Anwesende
Im Namen der Abteilung Umwelt & Infrastruktur danke ich der Geschäftsprüfungskommission für die umfassende Aufarbeitung dieses Sachverhalts. Die GPK hat den Fall untersucht und ihn in einen rechtlichen und organisatorischen Kontext gestellt. Der Bericht zeigt klar auf, dass es im Zusammenhang mit der ehemaligen Sauna- und Wellnessanlage in der ARA Furt sowie mit der Entschädigung im Zusammenhang mit der MeteoSchweiz-Wetterstation erhebliche Mängel in Bezug auf Transparenz, Kontrolle und Compliance gab.
Auch wenn sich aufgrund der langen Zeitspanne nicht mehr alle Details lückenlos rekonstruieren lassen, steht fest:
- Eine solche Einrichtung hätte nie ohne klare rechtliche Grundlage bestehen dürfen. Ob diese vorlag, kann aufgrund der vor über 20 Jahren zurückliegenden Bauzeit weder von der GPK noch von seitens der Befragten beurteilt werden.
- Spätestens bei Kenntnisnahme hätte eine umfassende politische Information und transparente Kommunikation erfolgen müssen.
- Die Sensibilität im Umgang mit öffentlichen Mitteln und gebührenfinanzierten Anlagen war ungenügend.
Als politisch zuständige Ressortleiterin trage ich Mitverantwortung dafür, dass nach der Stilllegung der Sauna im Jahr 2021 keine weitergehende politische Einordnung und keine proaktive Information gegenüber der Öffentlichkeit und den Anschlussgemeinden erfolgte. Rückblickend muss ich feststellen: Meine Einschätzung der damaligen Lage war falsch und das bedaure ich.
Gleichzeitig möchte ich aber noch folgende Punkte einbringen, welche aus dem Bericht ebenfalls klar hervorkommen und welche bis jetzt noch nicht erwähnt wurden: Gemäss ehemals zuständigem Stadtrat Bau konnte er sich an den Fall erinnern. Gemäss ihm erfolgte die Anfrage für einen Sauna-Einbau auf Initiative des damaligen Leiters der ARA. Die Haltung der Verantwortlichen war, dass, solange ein Raum verfügbar sei und die Ausführung in Eigenregie erfolge, dieses Vorgehen in Ordnung sei.
Diese Aussage deckt sich mit meiner E-Mail-Nachricht an die Romaine Rogenmoser und Stephan Ziegeler, mit welchen ich die GPK-Befragung durchgeführt habe. Diese Nachricht habe ich der GPK nach meiner Befragung versprochen, denn zu Beginn der ganzen Saunathematik haben wir im Bereich Siedlungsentwässerung und Abwasser versucht, mit den noch bei uns arbeitenden Mitarbeitern den Fall zu rekonstruieren. Folgende Punkte wurden u.a. eingebracht: 1996 – 2000 erfolgte Umbau ARA „Energie 2000“. Im Zuge des Projekts wurden die Räume der Schlosserei unter dem Aufenthalts- und Garderobengebäude frei. Die ehemalige Schlammtrocknungsanlage bot extreme Arbeitsbedingungen, was die Idee aufbrachte, im Gegenzug etwas Gutes für die Arbeitnehmer zu tun. Der ehemalige Betriebsleiter ARA fragte die damalige externe Bauleitung zur Machbarkeit an, etwas für die Gesundheit / Wellness in diesen Räumen machen zu können. Die damaligen drei Stadträte der Baukommission waren darüber unterrichtet. Der Ingenieur hat die am Umbau beteiligten UN (deutlich nach erfolgter Auftragsvergabe gegen Bauende) um einen Sponsorenbeitrag an die Ausstattung angefragt. Sie haben sich freiwilligt beteiligt. Umbau musste in Eigenregie / Fronarbeit in der Freizeit erfolgen. Einzig Rohreinbau erfolgte teilweise unter Beihilfe einer externen Firma. Spätere Reparaturen an Wellnessanlagen erfolgte auf Kosten ARA-Mitarbeiter. Energiekosten zulasten ARA wurden durch den Stadtrat gutgeheissen.
Vertiefter Blick auf „Vermeidung von Skandal“ durch ehem. Stadtschreiber
Ich will das Thema nicht schönreden aber ich versuche, den Blickwinkel auch auf diejenigen Punkte zu werfen, welche bis jetzt weniger präsent waren. Wenn man den Bericht tiefer studiert, kommen folgende, noch nicht aufgegriffene Punkte hervor: Der ehemalige Abteilungsleiter sagt aus, er sei durch den Stadtschreiber informiert worden, dass dieser den Stadtpräsidenten über die Existenz der Sauna informiert habe. Durch den Stadtschreiber sei entschieden worden, keine öffentliche Information herauszugeben, um einen Skandal zu vermeiden. Das sind keine Erfindungen von mir, sondern das ist unter Punkt 6.1.3. des Berichtes nachzulesen.
Gleichzeitig sagt der Stadtpräsident aus, dass er erst im Juni 2025 über die Sauna in der ARA in Kenntnis gesetzt wurde. Er habe vorher absolut keine Kenntnisse gehabt, dass diese existiere. Ebenfalls nachzulesen unter Punkt 6.1.1 des Berichtes. Dies sind Widersprüche, die ich nicht belegen kann, welche aber im Bericht so festgehalten sind. Aus meiner Sicht sind sie wichtig, weil sie nochmals ein anderes Bild auf die ganze Thematik werden. Denn sie zeigen auf, dass bezüglich Führung, Kommunikation, Transparenz und Compliance dringender Handlungsbedarf besteht. Das sind alles Punkte, welche genau den Auftrag der PUK beinhalten. Aufgrund dessen wehre ich mich entschieden dagegen, die alleinige Verantwortung zu diesem Fall zu übernehmen. Was ich aus meiner Sicht zu wenig beachtet habe, das habe ich anfangs meiner Rede sowie an meiner Medienkonferenz von letzter Woche bereits gesagt.
Gemeinsam voran gehen und strukturelle Themen lösen
Wir können Vergangenes nicht ändern. Aber wir können die richtigen Konsequenzen ziehen. Wir müssen Fehler eingestehen, aus solchen Ereignissen lernen und strukturelle Konsequenzen ziehen – nicht nur reaktiv, sondern systematisch. Unser Ziel muss sein, das Vertrauen nicht nur wiederherzustellen, sondern dauerhaft zu stärken.
Ich stehe dafür ein, dass wir die empfohlenen Massnahmen prüfen, unsere Governance-Strukturen schärfen und das Verständnis von operativer und strategischer Verantwortung verbindlich klären. Zudem glaube ich, dass wir viel stärker öffentlich kommunizieren müssen.
Der Stadtrat sollte sich zum Ziel setzen solche Vorfälle sofort klar und transparent an die Öffentlichkeit zu kommunizieren. Ich danke der GPK für ihre Arbeit. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.