13.11.2025, Interview mit dem Zürcher Unterländer

Stadträtin Andrea Spycher (SVP) fordert den bisherigen Stadtpräsidenten Mark Eberli heraus. Es sind vor allem drei Dinge, die sie ändern möchte.

In Bülach kommt es am 8. März 2026 zu einer Kampfwahl ums Stadtpräsidium. Mark Eberli (EVP), seit zwölf Jahren im Amt, wird von seiner Stadtratskollegin Andrea Spycher (SVP) herausgefordert. Die 53-Jährige lebt seit Geburt in Bülach und ist seit 2006 in der Politik aktiv. Damals wurde sie als Stadtparlamentarierin gewählt, war Mitglied der RPK und hatte 2010 das Ratspräsidium inne. Seit bald acht Jahren ist die gelernte Kauffrau Mitglied des Stadtrats. Sie steht der Abteilung Umwelt und Infrastruktur vor.

Frau Spycher: Ihre Kandidatur als Stadtpräsidentin kam für viele eher überraschend. Wie waren die Reaktionen?

Überwiegend positiv. Ich habe viel Zuspruch quer durch alle Parteien erhalten. Immer wieder gratulieren mir Menschen zu meinem Mut. Sie wünschen sich nach der turbulenten Legislatur Ruhe, Kontinuität und eine andere Kultur – mehr Transparenz, weniger Beschönigung.

War das Antreten gegen den amtierenden Stadtpräsidenten Mark Eberli ein Thema?

Direkt darauf angesprochen wurde ich nie. Aber ich hörte vereinzelte Stimmen, die es als unfair empfinden, gegen jemanden anzutreten, mit dem ich nun acht Jahre zusammengearbeitet hätte. Das muss ich akzeptieren.

Und Sie selbst? Weshalb haben Sie sich entschieden, als Herausforderin anzutreten?

Ich bin vor allem mit der Führung, der Kommunikation und dem Tempo, mit dem wir hier in Bülach vorgehen, nicht mehr einverstanden. Ich möchte eine Führung an die Hand nehmen, die sich Zeit nimmt, Probleme anzugehen, zu analysieren und dann Entscheidungen trifft. Eine Führung, die nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern in die Tiefe geht. Bei der Kommunikation sollten wir weniger beschönigen, selbstkritischer mit uns und unseren Entscheiden sein. Bezüglich Tempo möchte ich Druck aus der Verwaltung nehmen, Prioritäten setzen und sorgfältiger planen. Weniger ist manchmal mehr.

Die Politik in Bülach war und ist von einigen Kontroversen geprägt: Stichworte Polizeiaffäre und PUK.

Beide Themen haben wesentlich zu meinem Entscheid beigetragen. Ich frage mich, weshalb diese sogenannte Polizeiaffäre überhaupt eine solche Dimension erreichen konnte und weshalb das Parlament eine PUK einsetzte. Das bringt mich sehr schnell
zurück zu den Themen Führung und Kommunikation.

Was würde sich mit Stadtpräsidentin Andrea Spycher ändern?

Vor allem drei Dinge: das Tempo, die Führung und die Kommunikation. Ich strebe an, mit weniger Projekten gleichzeitig zu jonglieren und dafür die prioritär eingestuften voranzutreiben. Ich möchte persönlicher und vertiefter führen, Probleme ansprechen, analysieren und Entscheidungen treffen. Ich möchte dranbleiben, damit Projekte nicht im Sand verlaufen. Ich strebe eine offene, transparentere und weniger beschönigende Kommunikation an.

Welches sind die wichtigsten Eigenschaften und Fähigkeiten, die Sie für das Amt mitbringen?

Meinen mit 20 Jahren politischer Erfahrung prall gefüllten Rucksack. Ich kenne die Legislative so gut wie die Exekutive. Auch meine Erfahrung als Präsidentin von Zweckverbänden ist hilfreich. Ich bin sehr dialogfähig und empathisch. Das ist in der Politik wichtig, um gut verhandeln zu können. Ich höre mir alle Meinungen an und versuche bewusst, nicht zu urteilen. Es kommt mir zugute, dass ich in den vergangenen Jahren an mir gearbeitet habe. Ich bin nahbar und nah bei den Leuten, sehe mich nicht als etwas Besonderes. Ich glaube, das spürt man.

Welche Ihrer Leistungen als Stadträtin machen Sie besonders stolz?

Dass die Abteilung Umwelt und Infrastruktur wieder auf stabilen Beinen steht. Das war wichtig, auch für die Zukunft. Denn mit dem Bau von Bülach Nord haben sich die Aufgaben bedeutend vergrössert. Stolz bin ich auch, dass wir, zehn Jahre nach Genehmigung des Gestaltungsplans, mit dem Bau der Passerelle beginnen. Dieses Projekt war an Komplexität kaum zu überbieten. Dabei ist es mir gelungen, mit den SBB eine gute Zusammenarbeit zu etablieren. Dies hat es auch ermöglicht, den Zugang vom Glasi-Quartier zum Bahnhof wieder zu öffnen. Auch die 17 öffentlichen Parkplätze in der neuen Tiefgarage des Alterszentrums Grampen konnte die Stadt unter meiner Federführung sichern. Ich denke, auch hier hat sich meine Fähigkeit, Projekte mit externen Partnern zu initiieren, zu verfolgen und umzusetzen, gezeigt. Neben den grossen und komplexen Vorhaben lief der Alltag mit vielen kleineren Projekten wie etwa der Sanierung diverser Grillstellen. Wenn das von der Bevölkerung wahrgenommen und geschätzt wird, macht mich das stolz. Ohne Mitarbeitende der gesamten Abteilung wäre das nicht möglich.

Das wachsende Bülach steht vor grossen Investitionen, die finanziert werden müssen. Geht das ohne weitere Steuererhöhungen, die Ihre Partei ja nicht so gerne sieht?

Der Stadtrat hat entschieden, wie er mit einer zunehmenden Verschuldung umgehen will. Dazu gehört die Erhöhung des Steuerfusses um zwei weitere Prozente, wenn die Verschuldung aufgrund der weiterhin sehr hohen Investitionen Ende 2026 auf voraussichtlich 162 Millionen steigt. Dahinter bin ich während der ganzen Legislatur gestanden. Ohne Erhöhung im Rahmen dieser Verschuldung sind wir aus meiner Sicht gezwungen, grosse Investitionen nach hinten zu schieben oder mit einer Verzichtsplanung zu beginnen.

Wie wollen Sie im Wahlkampf punkten?

Ich möchte mich ehrlich, authentisch und geerdet positionieren. Fairness ist mir wichtig, genauso sind es aber klare Aussagen, weshalb ich das Amt anstrebe. Die Wähler sollen spüren, dass es mir um eine Veränderung in der Führung, der Kommunikation und dem Tempo geht.

Wie sehen Sie Ihre Wahlchancen?

Ich glaube an mich, meine Erfahrung und meinen Wert. Ich erhalte grosse Unterstützung quer durch alle politischen Lager. Ich realisiere, dass sich die Menschen in Bülach Veränderung wünschen und spüren, dass sie mit mir weniger Hochglanz und mehr Tiefgang erhalten. Meine Wahl kann gelingen. Das wäre vor vier Jahren noch undenkbar gewesen.

Und was, wenn es nicht klappen sollte?

Dann werde ich diese Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger akzeptieren. Auf alle Fälle würde ich als wiedergewählte Stadträtin auch dieses Amt weiterhin ausüben.

Komitee Andrea Spycher
Höhragenstrasse 61
8180 Bülach