20.02.2026, Interview mit Züriunterland24

Bülach: Spycher geht wegen ARA-Sauna in die Offensive

 

Der GPK-Bericht zur ARA Furt wirft Fragen auf. Die zuständige Stadträtin äussert sich vor der Parlamentsdebatte erstmals ausführlich dazu.

Der Bericht der Geschäftsprüfungskommission des Stadtparlaments Bülach liegt auf dem Tisch. Und er hat es in sich. In der Abwasserreinigungsanlage ARA Furt gab es seit spätestens 2000 eine Wellnesszone. Mit Sauna, Fitnessgeräten und weiteren Einrichtungen. Über Jahre soll ein exklusiver Kreis von Mitarbeitenden die Anlage in der Freizeit genutzt haben. Erst 2021 wurde sie stillgelegt.

Wichtig dabei: Diese Infrastruktur entstand lange bevor die heute politisch zuständige Stadträtin ihr Ressort übernahm. Laut dem Bericht erfuhr sie erst 2021 davon. Ein damaliger Abteilungsleiter habe sie nach seinem Stellenantritt informiert. Kurz darauf sei die Sauna geschlossen worden.

Am Montag wird der Bericht im Parlament behandelt. Doch noch bevor es dazu kommt, geht die Stadträtin in die Offensive. Sie reagierte mit einer Medienmitteilung und setzte kurzfristig eine Medienkonferenz an. Sie wolle transparent informieren, sagt sie.

Viele Fragen bleiben offen

Der GPK-Bericht zeichnet ein Bild, das unangenehm ist. Es fehlen Unterlagen. Vieles lässt sich nach über zwanzig Jahren nicht mehr rekonstruieren. Weder die Finanzierung des Einbaus noch die effektiven Betriebskosten sind belegt. Auch bleibt unklar, wer wann wie viel wusste. Die Kommission hält fest, dass Aussagen aus Interviews sich teils widersprechen und dass zentrale Fragen zu Zuständigkeit, Kontrolle und Kommunikation unbeantwortet bleiben.

Brisant ist vor allem der politische Umgang. Gemäss Bericht sei nach dem Bekanntwerden der Sauna keine öffentliche Information erfolgt. Auch Anschlussgemeinden, die über Gebühren an den Betrieb der Anlage gekoppelt sind, seien nicht umgehend informiert worden. Die Kommission kritisiert, das Argument, es habe sich um eine operative Angelegenheit gehandelt und das Problem sei mit der Stilllegung gelöst gewesen, greife zu kurz.

Wie die Nutzung erklärt wird

Im Bericht wird als eine mögliche Erklärung genannt, die Sauna sei damals als eine Art Zusatzvorteil für schwierige Arbeitsbedingungen verstanden worden. Gleichzeitig betont die Kommission, dass es dafür keine beweiskräftigen Unterlagen gebe. Auch zur Frage, ob Einbauarbeiten wirklich privat und ausserhalb der Arbeitszeit erledigt wurden, fehle der Nachweis.

Die Kommission kritisiert zudem eine Haltung, die sie als zu unbekümmert beschreibt. Sie stellt die Frage, weshalb über Jahre niemand die Rechtmässigkeit und Angemessenheit einer solchen Einrichtung in einer gebührenfinanzierten Infrastruktur ernsthaft hinterfragt habe.

Zusätzlich Ärger wegen Wetterstation

Neben der Sauna nimmt der Bericht auch eine weitere Baustelle auf. Auf dem ARA-Gelände steht eine Wetterstation. Für Leistungen rund um den Betrieb und das Ablesen von Daten gab es Entschädigungen. Laut Bericht flossen diese bis 2021 direkt an einzelne Mitarbeitende. Später seien die Zahlungen auf die Stadt umgestellt worden und seit 2022 in den Erträgen der ARA verbucht.

Die Kommission nennt das rechtlich kritisch. Sie verlangt, dass die Stadt Rückforderungen prüft und auch allfällige rechtliche Schritte abklärt. Und sie fordert, dass die Bevölkerung über das gewählte Vorgehen informiert wird.

Spycher war erst 2021 über die Sauna informiert

Auf die Frage dieser Redaktion erklärt Stadträtin Andrea Spycher an der Medienkonferenz, sie habe von der Existenz der Sauna erst 2021 erfahren. Der damalige Abteilungsleiter habe sie darüber informiert. Anschliessend wurde die Sauna im Juni 2021 geschlossen.

Sie hält fest, dass Bau und langjährige Nutzung der Sauna weit vor ihrer Amtszeit erfolgt seien. Nach der Information durch den Abteilungsleiter und der anschliessenden Schliessung der Anlage, habe sie die Angelegenheit als abgeschlossen betrachtet.

Ihre Selbstkritik setzt bei der politischen Einordnung an. Sie sagt, sie habe das Thema unterschätzt. Sie habe zu wenig sensibel reagiert und es versäumt, den Fall in den Stadtrat zu tragen und breiter zu informieren. Heute sehe sie, dass es nicht nur eine betriebliche Frage gewesen sei, sondern eine Angelegenheit mit politischer Tragweite.

Abgesehen von dieser Fehleinschätzung müsse sie sich nichts vorwerfen, betont sie. Weder am Bau noch am Betrieb der Sauna sei sie beteiligt gewesen. Dass sie die Situation damals nicht anders bewertet habe, bedaure sie.

Nach der Lektüre des GPK-Berichts habe sie sich bewusst für eine aktive Kommunikation entschieden. Auch die vertiefte mediale Berichterstattung habe gezeigt, dass Informationsbedarf bestehe. Deshalb habe sie kurzfristig eine Medienkonferenz organisiert. Sie stehe für eine transparente und offensive Kommunikation. In diesem Fall sei ihr das nicht gelungen. Für die Zukunft müsse die Compliance gestärkt und die Kontrolle der Regelungen auch erfolgen - was die GPK auch als Empfehlung anspreche.

Den zeitlichen Kontext ordnet sie ebenfalls ein. Es sei Wahlkampf. Sie habe den Eindruck, dass Themen und Vorkommnisse politisch zugespitzt würden. Umso wichtiger sei es, sachlich und transparent zu informieren.

Was jetzt passieren soll

Der GPK-Bericht fordert Konsequenzen. Er empfiehlt verbindlichere Compliance-Richtlinien, ein Kontrollsystem zur Durchsetzung, Schulungen für Mitarbeitende und Behördenmitglieder sowie regelmässige externe Überprüfungen. Zudem soll die Rechtmässigkeit im Zusammenhang mit den Entschädigungen geprüft werden.

Am Montag entscheidet das Parlament, wie es mit dem Bericht politisch weitergeht. Und danach wird sich zeigen, ob aus dem ARA-Fall eine Affäre wird. Oder ein Lehrstück über Kontrolle, Verantwortung und Transparenz.

Ausgangslage
Die PUK informierte am 30. Juni 2025 öffentlich über eine Feststellung, sah sich aber nicht zuständig und delegierte den Lead an die Geschäftsleitung des Stadtparlaments. Die GPK übernahm und führte eine eigene Prüfung.

Was gemeldet wurde
Gemäss der PUK wurde sie darüber informiert, dass in der ARA Furt seit spätestens 2000 Wellnesseinrichtungen für Mitarbeitende existierten, darunter Fitnessgeräte, Sauna, grosse Badewanne und Wellnessdusche. Gemäss mündlichen Aussagen seien diese während des Umbaus «Energie 2000» entstanden. Arbeiten sollen gemäss mündlichen Angaben ausserhalb der Arbeitszeit durch Eigenpersonal erfolgt sein, Material und Reparaturen privat bezahlt worden sein, die Sauna als Sponsoring. Die PUK hielt fest, dass sie dazu keine schriftlichen Belege beschafft oder gesichtet habe. Die Nutzung sei gemäss den Informationen bis 2021 ausserhalb der Arbeitszeit einem exklusiven Teil der Mitarbeitenden gestattet gewesen und danach auf Intervention einer Abteilungsleitung geschlossen worden. Zum Zeitpunkt des Baus sei die damalige Baukommission (Exekutivgremium) informiert gewesen; Energiekosten zulasten der ARA seien durch den Stadtrat genehmigt worden.

Ziele und Vorgehen der GPK
Die GPK prüfte Sachverhalt, Dokumentation, Zuständigkeiten, Massnahmen und weitere Schritte sowie die rechtliche Einordnung. Sie führte Interviews und verlangte Unterlagen an. Die GPK betont, Interviewaussagen seien teilweise nicht verifizierbar und könnten auch auf Vermutungen beruhen.

Unterlagenlage
Nach über 20 Jahren seien praktisch keine verwertbaren Unterlagen mehr vorhanden. Eine lückenlose Rekonstruktion sei nicht möglich. In Plänen fand sich ein Elektrovermerk «Sauna», ansonsten keine Hinweise auf Wellnesseinrichtungen.

Kernerkenntnisse
Finanzierung, Arbeitsleistung (Fronarbeit) und Kosten für Einbau sowie Betrieb lassen sich gemäss Bericht nicht nachweisen oder beziffern. Interviewaussagen widersprechen sich teils; unklar bleibt, wer wann Kenntnis hatte. Die GPK kritisiert, dass nach Kenntnisnahme keine Information an Bevölkerung und Anschlussgemeinden erfolgt sei; die Begründung, es sei operativ gewesen und mit der Stilllegung erledigt, greife zu kurz.

Weiterer Punkt: Wetterstation
Auf dem ARA-Gelände steht eine Wetterstation. Laut Bericht wurden Entschädigungen bis 2021 direkt an Mitarbeitende privat ausbezahlt; Zahlungen an die Stadt erfolgen seit 2022. Die GPK bezeichnet dies als rechtlich kritisch und wirft Fragen zu Rückforderungen auf.

Finanzhinweise im Bericht
Die ARA wird als eigenfinanzierter Betrieb geführt. Als Referenz nennt der Bericht Stromkosten von rund 200’000 Franken im Jahr 2024. Eine Kontosuche (2015 bis 2025) nach «Sauna», «Wellness», «Dusche», «Whirlpool» ergab bei der ARA keine Treffer.

Empfehlungen
Die GPK empfiehlt verbindliche Compliance-Richtlinien, ein Kontrollsystem (IKS), Schulungen, regelmässige externe Überprüfungen bei Führungsverantwortlichen sowie die Prüfung von Rückforderungen oder Strafanzeigen im Zusammenhang mit Entschädigungen. Die Bevölkerung soll über das Vorgehen und die Begründung informiert werden.

Die Medienmitteilung von Andrea Spycher im Wortlaut

GPK-Bericht «ARA-Sauna»:
Konsequenzen ziehen, Governance stärken, klare Zuständigkeits- und Kommunikationsregeln festlegen

Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Stadtparlaments Bülach hat ihren Bericht zur ehemaligen Sauna- und Wellnessanlage in der ARA Furt veröffentlicht. Der Bericht zeigt Mängel in Bezug auf Transparenz, Kontrolle und Compliance auf. Andrea Spycher spricht sich für einen offenen Umgang mit diesen Mängeln aus und kündigt Massnahmen an.

Einbau einer Sauna vor über 20 Jahren

Die Kommission wurde aktiv, nachdem im Rahmen einer parlamentarischen Untersuchung Hinweise auf eine entsprechende Einrichtung in der ARA bekannt wurden. Der Bericht stellt fest, dass vor Jahrzenten eine Saunaanlage in der ARA Furt erstellt wurde. 2021 wurde diese auf operativer Ebene stillgelegt. Rückblickend wäre jedoch eine weitergehende politische Einordnung und eine transparente Information gegenüber Öffentlichkeit und Anschlussgemeinden angezeigt gewesen.

Stadträtin Andrea Spycher, Ressortleiterin Umwelt & Infrastruktur, hält fest: «Meine damalige Einschätzung, es handle sich um ein rein operatives Thema, war aus heutiger Sicht nicht ausreichend. Öffentliche Infrastruktur – vor allem wenn sie gebührenfinanziert ist – unterliegt einem besonders hohen Anspruch an Transparenz und Rechtmässigkeit.»

Auch im Zusammenhang mit einer Wetterstation vonMeteoSchweiz stellt der Bericht Handlungsbedarf fest. Gemäss Bericht kam es zu Zahlungen an einen Angestellten der Stadt Bülach. Es ist selbstredend klar, dass Entschädigungen, die im Zusammenhang mit einer städtischen Anlage stehen, müssen grundsätzlich der Stadt zufliessen und nicht einzelnen Mitarbeitenden. Auch dieser Sachverhalt wurde umgehend korrigiert.

Andrea Spycher steht für eine offene und transparente Kommunikation im Rahmen der Einhaltung des behördlichen Amtsgeheimnisses. Sie wird die nun öffentlichen Empfehlungen der GPK prüfen und sich dafür einsetzen, dass der Stadtrat diese umsetzt. Dazu gehören insbesondere die Einführung verbindlicher Compliance-Richtlinien, der Ausbau des internen Kontrollsystems sowie klare Zuständigkeits- und Kommunikationsregeln.

«Grundsätzlich sind alle Dokumente und Beschlüsse von Verwaltungen in der Schweiz von öffentlichem Interesse. Natürlich gibt es gute Gründe gewisse Themen nicht offen zu legen – namentlich rund um den Persönlichkeitsschutz. Wir sollten aber in der Schweiz die Öffentlichkeit viel stärker informieren – auch wenn das heisst man muss einmal einen Fehler eingestehen,» so Stadträtin Spycher.

Komitee Andrea Spycher
Höhragenstrasse 61
8180 Bülach