27.01.2026, Interview mit Züriunterland24

Die SVP-Stadträtin rechnet mit Schönrederei, Projektchaos und fehlender Führung ab – und sieht sich selbst als echte Alternative.

 

In Bülach rumort es. Der Rücktritt des Stadtschreibers, eine Parlamentarische Untersuchungskommission und immer wieder Kritik an mangelnder Transparenz haben Spuren hinterlassen. Für Andrea Spycher ist klar: Die Stadt braucht einen Neuanfang – mit klarer Führung und weniger Schönfärberei. Im Interview mit zu24 erklärt die SVP-Politikerin, warum sie antritt, wo sie Versäumnisse sieht – und warum sie sich von der eigenen Partei nicht verbiegen lässt.

zu24:
 Warum braucht Bülach einen Wechsel an der Spitze?

Andrea Spycher: Die Stadt Bülach hat in den letzten vier Jahren oft keine gute  Rolle gespielt – es mangelt an Führung und an  der Kommunikation. Es wurde viel Vertrauen verspielt. Das sind die  zentralen Punkte, die ich in einer neuen Legislatur verändern möchte.

Zu24: Was meinen Sie mit Führung?

Andrea Spycher: Ganz direkt. Ein Stadtpräsident führt nicht nur den Stadtrat, sondern auch den Stadtschreiber. Diese Führung muss vertieft erfolgen. Heute ist sie oberflächlich, viele Themen werden nicht konsequent verfolgt. Ich will da dranbleiben.

zu24: Was konkret ist das Problem mit der Kommunikation?

Andrea Spycher: Vieles wird beschönigt. Das schafft kein Vertrauen, weder zu den Bewohnerinnen und Bewohnern noch zum Stadtparlament.  Wir brauchen eine einheitliche und transparente Öffentlichkeitsarbeit – auch um als Gremium stärker zusammenzuwachsen.


Der Fall Stadtschreiber und die fehlende Transparenz

zu24: Wie sehen Sie den Abgang des Stadtschreibers?

Andrea Spycher: Das ist schwierig, weil wir darüber nicht sprechen dürfen. Aber genau das zeigt das Problem: Wäre früher transparent kommuniziert worden, gäbe es heute keine PUK und keine Spekulationen.

zu24: War die PUK ein Grund für Ihre Kandidatur?

Andrea Spycher: Die Polizeigeschichte ist abgeschlossen, aber die personellen Wechsel und die Art, wie geführt wurde – ja, das war ein Auslöser. Ich will keine Schlammschlacht mit Mark Eberli, aber ich muss Dinge benennen dürfen. Ich würde die Führung komplett anders angehen.

zu24: Sie sind selbst im Stadtrat. Hätten Sie nicht früher eingreifen müssen?

Andrea Spycher: Ich habe intern kommuniziert – auch schriftlich. Aber man wollte nicht unbedingt zuhören. Ich war lange loyal, aber irgendwann war klar: So kann ich es nicht mehr mittragen.


Zu viele Projekte, zu wenig Fokus

zu24: Ist die Verwaltung «aufgebläht»? Zu gross?

Andrea Spycher: Aufgebläht nicht, aber sie darf nicht mehr grösser werden. Wir haben viele neue Stellen geschaffen – oft mitten im Jahr, ohne klare Priorität. Und das liegt an zu vielen Projekten, die aus den Abteilungen kommen, oft ohne übergeordnete Abstimmung. Ich will das reduzieren.

zu24: Welche Projekte sind wichtig, welche verzichtbar?

Andrea Spycher: Wichtig: Infrastruktur, Schulhäuser, die Passerelle, das Sportzentrum "Hirslen". Verzichtbar: Projekte wie Parkneugestaltungen – die sind „nice to have“, aber nicht prioritär.


Kein Spielraum für Steuererhöhungen

zu24: Eine Steuererhöhung wurde diskutiert? Wie stehen Sie zum Thema Steuern?

Andrea Spycher: Wir haben den Steuersatz unverändert belassen. Ich war anfangs für eine moderate Erhöhung, aber inzwischen ist klar: Die Belastung ist zu hoch. Ich will keine Steuererhöhung mehr – aber auch keine Senkung, das wäre aktuell unrealisitisch. Wir müssen lernen, Prioritäten zu setzen.


Wachstum ja – aber wohin?

zu24: Viele empfinden das Wachstum in Bülach als unkontrolliert. Ihre Meinung?

Andrea Spycher: Das ist nicht in unserer Hand. Der Kanton schreibt uns die Verdichtung vor. Wir können nur über die Bau- und Zonenordnung Einfluss nehmen. Aber klar: Die Infrastruktur hinkt hinterher – und deshalb müssen wir klare Prioritäten setzen.


Zwischen Nähe und Stacheln – das Verhältnis zu Eberli

zu24: Wie ist das Verhältnis zum amtierenden Stadtpräsidenten seit Ihrer Kandidatur?

Andrea Spycher: Ich habe ihn früh über meine Kandidatur informiert – fair und offen. Natürlich gibt es unterschwellige Spannungen, das ist normal. Ich vergleiche es mit Schopenhauers Stachelschweinen: Man will sich wärmen, aber sticht sich dabei. Man muss die richtige Distanz finden – und ich glaube, das haben wir.


Warum sie sich das Amt antun will

zu24: Warum tun Sie sich das an? Stadtpräsidentin zu sein ist auch eine Belastung.

Andrea Spycher: Ich politisiere gerne. Ich höre gerne zu, suche Argumente, ringe um Lösungen – im Stadtrat, mit der SBB, bei der Passerelle. Als Präsidentin hätte ich mehr Einfluss auf Führung und Kommunikation. Das reizt mich.

zu24: Wie gehen Sie mit der öffentlichen Aufmerksamkeit um?

Andrea Spycher: Man wird erkannt, klar. Aber man kann auch Grenzen setzen. Und meine Familie bleibt bewusst im Hintergrund. Das ist ihre Entscheidung, und die respektiere ich.


Grünes Profil trotz SVP?

zu24: Manche sagen, die SVP sei nicht wählbar. Was sagen Sie dazu?

Andrea Spycher: Ja, das höre ich. Aber ich stehe für meine Person – nicht nur für eine Parteifarbe. Ich habe viele grüne Themen vorangetrieben, etwa zum Thema Bäume und Grünraum, ohne den Rückhalt in meiner Partei zu verlieren. Das war nicht immer einfach.

zu24: Baum oder Parkplatz?

Andrea Spycher: Ich bin Autofahrerin – also ein Baum und ein Parkplatz, wenn möglich. Nicht zwei Bäume und kein Parkplatz. So versuche ich Kompromisse einzugehen.


Ein echtes Angebot für das lokale Gewerbe

zu24: Was kann das Gewerbe von Ihnen erwarten?

Andrea Spycher: Mehr Nähe. Für mich gab es bisher nur ein Treffen pro Jahr – das ist zu wenig. Ich will echte Gespräche, mit Detaillisten, Dienstleistern und produzierendem Gewerbe, auch mit dem Gewerbe in Bülach Nord. Die Stadt muss dieses Thema aktiv anpacken, nicht nur passiv begleiten.


Und wenn sie nicht gewählt wird?

zu24: Wenn Sie nicht gewählt werden – was dann?

Andrea Spycher: Dann bleibe ich Stadträtin, selbstverständlich. Ich kann professionell damit umgehen. Mir geht es nicht um Macht. Ich sehe Missstände, und ich finde, man darf sie nicht einfach beschönigen. Ich möchte Bülach eine echte Alternative bieten.

Komitee Andrea Spycher
Höhragenstrasse 61
8180 Bülach